Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? In den meisten Familien undenkbar! Dabei ist der Brauch, zum Fest einen echten Baum ins traute Heim zu holen und festlich zu schmücken noch gar nicht so alt. Erst im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Säkularisierung des Bürgertums, fand er flächendeckend Einzug in die Weihnachtsrituale deutscher Familien. In der Zeit, in der die religiösen Inhalte von Weihnachten immer weiter in den Hintergrund traten, diente der Baum quasi als Ersatz.

Der Siegeszug des Weihnachtsbaums begann also vor ca. 160 Jahren, aber wie kam man auf die Idee sich einen echten Baum ins Haus zu holen? Im Ursprung handelt es sich dabei um einen heidnischen Brauch, der in verschiedenen Kulturen zu finden ist. Immergrüne Pflanzen galten seit jeher als Symbol für Lebenskraft. Wer sich also die Gesundheit ins Haus holen wollte schmückte sein Heim mit Tanne, Misteln, Wacholder und ähnlichen Pflanzen. So schmückten sogar die alten Römer zur Jahreswende ihr Haus mit Lorbeerzweigen.

An Festtagen Bäume zu verzieren ist bereits seit dem Mittelalter Brauch, man denke nur an den Maibaum oder den Richtbaum. Zu Weihnachten wurden damals in der Kirche Paradiesspiele aufgeführt, zu diesem Anlass wurde der Paradiesbaum mit Äpfeln behangen und erinnerte so an die Geschichte von Adam und Eva. Dieser Paradiesbaum konnte jedoch auch ein Laubbaum sein. Von geschmückten Weihnachtsbäumen in der guten Stube gibt es erstmal im 17. Jahrhundert Belege, im Elsass begann man die Bäume mit Äpfeln, Oblaten, Zucker und Metallbättchen zu schmücken. Schon bald darauf ereiferte sich die Kirche über die Säkularisierung von Weihnachten, heidnische Weihnachtsbäume als Mittelpunkt eines christlichen Festes? Undenkbar. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war es verboten in katholischen Kirchen Weihnachtsbäume aufzustellen! Doch seit 1982 steht selbst im Vatikan ein Weihnachtsbaum.

Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbreitete sich der Brauch, vor allem in protestantischen Gegenden, zunehmend. Doch in Mitteleuropa gab es zu dieser Zeit wenige Tannen, daher konnten sich nur besserbetuchte  Schichten einen Baum leisten. Der Rest musste mit Zweigen vorlieb nehmen. Erst nachdem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts flächendeckend Nadelwälder angelegt wurden, konnte der Bedarf an Weihnachtsbäumen gedeckt werden.

Mit 80% ist heutzutage die Nordmanntanne der beliebteste Weihnachtsbaum, noch in den 50er Jahren waren es Rot- und Blaufichte. Diese duften, im Gegensatz zu den Nordmanntannen, herrlich, nadeln jedoch sehr viel schneller und haben pieksende Nadeln.

Übrigens: Bevor eine Nordmanntanne ein Weihnachtsbaum wird, ist sie bereits 8-10 Jahren auf einer Baumplantage gewachsen!